Imkern heißt nicht, Bienen zu halten wie Vieh im Stall. Ein Volk
entscheidet selbst, wann es wächst, wann es schwärmt und wann es sich
zur Wintertraube zusammenzieht. Die Arbeit besteht darin, das rechtzeitig
zu bemerken.
Das Volk ist das Tier
Eine einzelne Honigbiene ist für sich nicht überlebensfähig. Wärme,
Nahrungsvorrat, Brutpflege und Verteidigung leistet nur der Verband.
Wer imkert, betreut deshalb keine Tiere im Plural, sondern eine
Einheit — und beurteilt sie an ihrem Zustand: Sitzt Brut in allen
Stadien da? Ist Vorrat vorhanden? Ist es ruhig auf den Waben?
Königin
Legt die Eier und hält das Volk über Duftstoffe zusammen. Sie
steuert nichts — sie ist die Bedingung dafür, dass der Rest
funktioniert. Fehlt sie, wird das Volk unruhig und lauter.
Arbeiterinnen
Übernehmen im Lauf ihres kurzen Lebens nacheinander Putzen,
Füttern, Bauen, Wachen und zuletzt das Sammeln. Die Aufgabe hängt
am Alter, nicht an einer Zuteilung.
Drohnen
Männchen, nur im Sommerhalbjahr vorhanden, zuständig für die
Begattung junger Königinnen auf Sammelplätzen. Im Spätsommer
setzt das Volk sie vor die Tür.
Der Jahreslauf am Stand
Das Imkerjahr beginnt nicht im Januar, sondern im Spätsommer: Was das
Volk dann an gesunden Winterbienen aufbaut, entscheidet über das
Frühjahr. Die Zeitangaben sind grobe Fenster und verschieben sich mit
Witterung, Höhenlage und Tracht um Wochen.
Ungefährer Ablauf, keine festen Termine
Zeitraum
Was ansteht
Februar bis März
Erster Blick, Futter prüfen
April
Volk wächst, Raum erweitern
Mai bis Juni
Schwarmzeit, regelmäßige Kontrolle
Juni bis Juli
Honigräume ernten, schleudern
Juli bis August
Behandlung gegen Varroa
August bis September
Einfüttern für den Winter
Oktober bis Januar
Ruhe halten, nur von außen sehen
Handwerk und Ausrüstung
Die Ausstattung ist überschaubar und hält lange. Teuer wird nicht der
Einstieg, sondern die Schleuder — und die leiht man sich am Anfang
besser im Verein, statt sie für zwei Völker zu kaufen.
Beute Der Kasten aus stapelbaren Zargen. Unten das Brutnest, oben die Honigräume.
Rähmchen Holzrahmen mit Mittelwand, in denen die Bienen ihre Waben bauen. Sie machen das Volk beweglich und kontrollierbar.
Smoker Etwas Rauch, und die Bienen gehen an den Vorrat statt an die Hand. Kein Betäubungsmittel, nur eine Ablenkung.
Schleier und Jacke Der Stich ins Gesicht ist der, den man vermeiden will. Handschuhe machen ungeschickt und werden mit der Zeit oft weggelassen.
Stockmeißel Das meistbenutzte Werkzeug. Ohne ihn bekommt man verkittete Zargen nicht auseinander.
Schleuder Die geöffneten Waben werden ausgeschleudert, nicht ausgepresst. Danach gehen sie zurück ins Volk.
Zwei Völker sind der übliche Rat für den Anfang, nicht eines: Erst
der Vergleich zeigt, ob ein Volk schwach ist oder ob es allen gerade
so geht.
Kennzahlen als Größenordnung
Die folgenden Werte sind Größenordnungen, keine
Rekorde, keine Gründungsjahre und keine festgelegten Normwerte. Sie
schwanken erheblich zwischen Standort, Jahr, Betriebsweise und
einzelnem Volk.
Volk im Sommer Größenordnung mehrere zehntausend Bienen, grob 30.000 bis 60.000.
Volk im Winter Größenordnung 5.000 bis 15.000 Winterbienen.
Leben einer Sommerbiene In der Größenordnung weniger Wochen.
Leben einer Winterbiene In der Größenordnung mehrerer Monate.
Eier je Tag In der Hochphase Größenordnung ein- bis zweitausend.
Flugradius Größenordnung zwei bis drei Kilometer um den Stand.
Ernte je Volk und Jahr Größenordnung 20 bis 40 Kilogramm, in schlechten Jahren deutlich weniger.
Volle Honigzarge Größenordnung 20 bis 25 Kilogramm — der Grund, warum die Beute nicht zu tief stehen sollte.
Wärme im Brutnest Größenordnung um 35 Grad, vom Volk selbst gehalten.
Zeitaufwand Größenordnung einige Stunden je Volk über die Saison, ungleich verteilt.
Wo eine Spanne steht, ist die Spanne die Aussage. Ein einzelner Wert
daraus wäre eine Genauigkeit, die es an einem Bienenstand nicht gibt.
Was schwierig ist
Bienen halten ist nicht schwer. Sie gesund durch den Winter zu bringen,
ist die eigentliche Aufgabe — und dort scheitern Anfänger regelmäßig
nicht am Können, sondern am Zeitpunkt.
Die Varroamilbe. Sie vermehrt sich in der
verdeckelten Brut und schwächt die Bienen, die den Winter tragen
sollen. Unbehandelt bricht ein Volk in der Regel innerhalb weniger
Jahre zusammen. Behandelt wird nach der Ernte, nicht davor.
Die Schwarmzeit. Im Frühsommer will ein starkes Volk
sich teilen. Wer die Weiselzellen zu spät sieht, findet die halbe
Belegschaft im Nachbargarten hängen.
Trachtlücken. Nach der Rapsblüte kommt vielerorts
wochenlang wenig nach. Ein Volk kann im blühenden Juni verhungern,
wenn ringsum nichts blüht, was Nektar gibt.
Der Standort. Nachbarschaft, Flugrichtung und
Wasserstelle entscheiden über Ärger oder Ruhe. Die Flugbahn sollte
nicht über einen Gehweg führen.
Die Pflichten. Bienenhaltung ist beim
Veterinäramt anzuzeigen, auch bei einem einzigen Volk, und wer Honig
abgibt, unterliegt den Regeln für Lebensmittel. Beides wird gern
übersehen.