Gemeint ist Südkorea: ein Land, das man in zwei Wochen quer durchqueren
kann, ohne dass es dabei langweilig würde. Zwischen der Hochhausdichte
von Seoul und einem stillen Bergtempel liegen oft nur zwei Stunden Zug.
Wer das einplant, reist entspannter als wer Distanzen fürchtet.
Ein Land auf engem Raum
Südkorea ist eine Halbinsel, die zum größten Teil aus Bergen besteht.
Gesiedelt wird in den Ebenen und Tälern dazwischen, und weil davon wenig
vorhanden ist, steht dort viel auf wenig Fläche. Das erklärt beides: die
Dichte der Städte und die Ruhe, die zwanzig Minuten außerhalb beginnt.
Für Reisende hat das einen praktischen Vorteil. Die Wege sind kurz, das
Bahnnetz ist schnell, und ein Tagesausflug in eine andere Landschaft ist
kein logistisches Vorhaben. Wer in Seoul eine Basis nimmt und von dort
streut, kommt weit — muss aber die Küsten und Jeju separat einplanen.
Nordkorea ist für touristische Reisen aus Deutschland kein Ziel. Wenn auf
dieser Seite „Korea“ steht, ist Südkorea gemeint.
Wohin: vier Orte, vier Charaktere
Eine erste Reise deckt selten mehr als drei bis vier Stationen ab, und das
ist auch gut so. Die folgenden vier ergeben zusammen ein Bild, das nicht
nur aus einer Hauptstadt besteht.
Seoul
Paläste, Bergpfade am Stadtrand, Nachtmärkte und Viertel, die sich
alle paar Straßen komplett anders anfühlen. Hier verliert man
problemlos eine Woche, ohne zweimal dasselbe zu sehen.
Busan
Hafenstadt am Meer, entspannter im Ton als die Hauptstadt. Strand,
Fischmarkt und ein an den Hang gebautes Viertel mit Blick über die
Bucht. Der offensichtliche Gegenpol zu Seoul.
Gyeongju
Über Jahrhunderte Hauptstadt eines frühen Königreichs, heute eine
ruhige Kleinstadt zwischen Grabhügeln, Tempeln und Feldern. Der Ort,
an dem die Geschichte des Landes im Freien liegt.
Jeju
Vulkaninsel im Süden, per Kurzflug oder Fähre erreichbar. Küstenwege,
Lavahöhlen, ein Vulkankegel zum Besteigen — und ein Wetter, das sich
nicht an das Festland hält.
Wer nur eine Woche hat, nimmt Seoul plus einen zweiten Ort. Vier
Stationen in sieben Tagen bedeuten vier Umzüge — und davon hat man
hinterher vor allem die Bahnhöfe in Erinnerung.
Wann fahren: die Jahreszeiten sind der Hauptunterschied
Korea hat vier deutlich getrennte Jahreszeiten, und sie unterscheiden
sich stärker, als es die Landkarte vermuten lässt. Die Wahl des Monats
verändert die Reise mehr als die Wahl des Hotels.
Frühling Mild, viel Blüte, die bekannten Kirschblütenwochen liegen etwa zwischen Ende März und Ende April und wandern von Süden nach Norden. Beliebt, entsprechend voll.
Sommer Schwül und heiß, mit einer ausgeprägten Regenzeit im Hochsommer und gelegentlichen Taifunausläufern im Spätsommer. Innen ist es dann sehr kalt klimatisiert.
Herbst Für viele die beste Zeit: klare Luft, stabiles Wetter, Herbstfärbung in den Bergen. Wer flexibel ist, reist im Oktober.
Winter Kalt und trocken, mit Frostperioden über Wochen und einem scharfen Wind in Seoul. Dafür leere Tempel, Skigebiete und klare Sicht.
Zusätzlich zu beachten: die großen Familienfeste im Jahreslauf. An diesen
Tagen ist halb das Land unterwegs, Fernbusse und Züge sind früh
ausgebucht, und in Kleinstädten hat vieles geschlossen.
Unterwegs: Verkehr, Bezahlen, Verständigung
Der Alltag als Reisender ist unkompliziert, sobald drei Dinge geklärt
sind: eine Verkehrskarte, ein Datenzugang und die passende Karten-App.
Ein Mietwagen ist für die meisten Routen nicht nötig.
Nahverkehr U-Bahn und Busse laufen dicht und pünktlich, Stationen sind zusätzlich lateinisch beschriftet. Bezahlt wird mit einer aufladbaren Verkehrskarte, die es an Automaten und in Kiosken gibt.
Fernverkehr Schnellzüge verbinden die großen Städte, Fernbusse erschließen den Rest. Beides ist günstig genug, um spontan zu bleiben — außer an Feiertagen.
Karten-Apps Die international üblichen Kartendienste sind für die Navigation in Korea nur eingeschränkt brauchbar. Die einheimischen Apps können Fußwege, Bus und Bahn und sind der praktische Standard.
Bezahlen Kartenzahlung ist nahezu überall möglich, Bargeld braucht man vor allem auf kleinen Märkten. Trinkgeld ist nicht üblich und wird gelegentlich zurückgegeben.
Sprache Englisch reicht in Städten und an touristischen Orten, auf dem Land wird es dünn. Das Alphabet ist an einem Abend lernbar und macht Speisekarten und Ortsschilder sofort zugänglich.
Etikette Schuhe aus, wo Schuhe stehen. Mit beiden Händen geben und annehmen. In öffentlichen Verkehrsmitteln telefoniert man leise oder gar nicht.
Essen ist ein eigener Programmpunkt
Essen gehen ist in Korea weniger ein Anlass als eine Selbstverständlichkeit:
günstig, schnell und fast rund um die Uhr verfügbar. Zu jedem Hauptgericht
kommen kleine Beilagenschälchen auf den Tisch, die nachgefüllt werden und
nichts extra kosten — sie sind Teil des Gerichts, nicht Zubehör.
Gegrilltes am Tisch. Der Grill sitzt in der Tischplatte, gegessen wird in Salatblättern gewickelt. Funktioniert am besten zu zweit oder mehr.
Eintöpfe und Suppen. Kommen brodelnd, sind oft scharf und tragen durch den Winter. Die milde Variante gibt es fast überall auch.
Schalen mit Reis. Gemüse, Ei und Sauce über Reis, gut gemischt. Das verlässlichste Gericht, wenn man nichts entscheiden will.
Straßenstände und Märkte. Abends der beste Ort für kleine Portionen quer durch die Karte, ohne sich auf ein Restaurant festzulegen.
Vegetarisch. Möglich, aber nicht automatisch: Fischsauce und Brühe stecken in vielem drin. Tempelküche und größere Städte sind die einfacheren Wege.
Kennzahlen als Größenordnung
Die folgenden Werte sind Größenordnungen zur groben
Planung — keine Rekorde, keine Gründungsjahre, keine festgelegten
Normwerte. Preise, Fahrzeiten und Wetterangaben schwanken mit Saison,
Buchungszeitpunkt, Wechselkurs und Anspruch erheblich.
Fläche des Landes Größenordnung 100.000 Quadratkilometer, überwiegend bergig.
Einwohner Größenordnung 50 Millionen, davon grob die Hälfte im Großraum der Hauptstadt.
Flugzeit ab Mitteleuropa Größenordnung 11 bis 14 Stunden ohne Zwischenstopp, je nach Route.
Zeitverschiebung Korea liegt grob 7 bis 8 Stunden vor Mitteleuropa, je nach Sommerzeit.
Schnellzug quer durchs Land Größenordnung zweieinhalb bis drei Stunden von der Hauptstadt zur Südküste.
Einzelne Nahverkehrsfahrt Größenordnung ein bis zwei Euro.
Einfaches Mittagessen Größenordnung 7 bis 15 Euro je Person.
Übernachtung Größenordnung 25 bis 50 Euro im Guesthouse, 70 bis 150 Euro im Mittelklassehotel.
Tagesbudget Größenordnung 80 bis 150 Euro je Person mit Unterkunft, sparsam auch deutlich darunter.
Sinnvolle Reisedauer Größenordnung 10 bis 14 Tage für einen ersten Überblick mit drei Stationen.
Regenverteilung Ein Großteil des Jahresniederschlags fällt in der Größenordnung weniger Sommerwochen.
Wo eine Spanne steht, ist die Spanne die Aussage. Ein einzelner Wert
daraus wäre eine Genauigkeit, die es bei einer Reiseplanung nicht gibt.
Vor der Abreise
Wenig davon ist aufwendig, aber alles davon ärgert, wenn es fehlt. Die
Reihenfolge ist ungefähr die zeitliche.
Einreisebedingungen aktuell prüfen. Ob und in welcher
Form eine Vorabregistrierung nötig ist, ändert sich. Verbindlich
beantworten das die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen
Amts und die koreanische Auslandsvertretung — nicht ein Reiseblog und
nicht diese Seite.
Reisezeit vor Unterkunft festlegen. Kirschblüte und
Herbstfärbung sind die teuersten und vollsten Wochen des Jahres.
Datenzugang klären. Eine lokale SIM oder eSIM ist der
Normalfall; ohne Netz sind Karten-Apps und Bezahlvorgänge unbequem.
Stromversorgung nachsehen. Steckerform und Netzspannung
vor dem Packen prüfen, statt am ersten Abend einen Adapter zu suchen.
Schuhe, die man schnell auszieht. Klingt nebensächlich,
ist es nach dem dritten Tempel und dem zweiten Restaurant mit Sitzkissen
nicht mehr.
Nicht zu dicht planen. Die Wege sind kurz, die Tage
werden trotzdem lang. Zwei feste Punkte am Tag reichen.