WIESBADEN
Eine Kurstadt am Rand des Taunus, gebaut um heißes Wasser, das seit jeher von selbst aus dem Boden kommt. Wer einen Tag hat, kommt vom Schlossplatz über den Kurpark bis auf den Neroberg — und sieht dabei fast alles, wofür die Stadt bekannt ist.
Wiesbaden ist kompakt. Das meiste liegt zwischen Schlossplatz und Kurpark und lässt sich zu Fuß erschließen; dazu kommen der Hausberg im Norden und das Rheinufer im Süden. Wer sich diese vier Ecken merkt, verläuft sich nicht.
Der historische Kern: Marktkirche, Stadtschloss, altes und neues Rathaus stehen um einen einzigen Platz.
Kurhaus, Staatstheater, Kolonnaden und Kurpark — die Seite der Stadt, die für Gäste gebaut wurde.
Aussicht, Weinberg, russische Kapelle und die Bergbahn, die mit Wasser statt Motor fährt.
Barockes Schloss direkt am Rhein, davor ein weitläufiger Park und die Uferpromenade.
Der Platz ist der beste Startpunkt, weil dort vier Bauten aus vier Jahrhunderten nebeneinanderstehen. Die Marktkirche ist ein neugotischer Backsteinbau mit spitzen Türmen und dominiert die Silhouette der Innenstadt; sie ist zugleich die Hauptkirche der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.
Gegenüber steht das klassizistische Stadtschloss, das einmal Residenz der Herzöge von Nassau war und heute den Hessischen Landtag beherbergt. Daneben duckt sich das kleine Alte Rathaus neben dem deutlich größeren neuen — der Größenunterschied erzählt die Geschichte der Stadt kürzer als jede Tafel.
Wenige Schritte weiter liegt der Marktkeller unter dem Platz, und über die Marktstraße geht es direkt in die Fußgängerzone. Für den weiteren Weg gilt: Richtung Norden zum heißen Wasser, Richtung Osten in den Kurbezirk.
Das Kurhaus mit seiner Säulenfront ist das Bild, das die meisten von Wiesbaden im Kopf haben. Es entstand Anfang des 20. Jahrhunderts als gesellschaftlicher Mittelpunkt der Kurstadt und beherbergt heute Festsaal, Konzertsaal und die Spielbank. Davor liegt das Bowling Green, eine Rasenfläche mit zwei Kaskadenbrunnen, links und rechts gerahmt von den beiden Kolonnaden — langen offenen Wandelhallen, unter denen man auch bei Regen trocken bleibt.
Direkt anschließend steht das Hessische Staatstheater mit seinem neobarocken Foyer. Hinter dem Kurhaus beginnt der Kurpark mit Weiher und altem Baumbestand, südlich davon der Park am Warmen Damm.
Die Wilhelmstraße, von Einheimischen nur „die Rue“ genannt, verbindet all das als breite Prachtstraße mit Alleebäumen. An ihrem Ende liegt das Museum Wiesbaden, das Kunst und Naturkunde unter einem Dach zeigt — bekannt vor allem für seine Sammlung zu Alexej von Jawlensky, der lange in der Stadt lebte.
Ohne die Thermalquellen gäbe es die Stadt in dieser Form nicht. Sie treten im nördlichen Innenstadtbereich aus, im sogenannten Quellenviertel, und sind an mehreren Stellen frei zugänglich.
Das Wasser kommt heiß aus dem Boden — an einigen Fassungen deutlich zu heiß zum sofortigen Trinken. Die Becher am Kochbrunnen sind nicht aus Höflichkeit dünn, sondern damit das Wasser schneller abkühlt.
Der Neroberg ist der Hausberg im Norden, bewaldet, mit einem Weinberg an der Südflanke und einer Aussichtsterrasse über der Stadt. Hinauf fährt die Nerobergbahn, eine Standseilbahn, die ohne Motor auskommt: Der obere Wagen füllt einen Wassertank und zieht durch sein Mehrgewicht den unteren nach oben. Sie fährt nur in der warmen Jahreshälfte.
Oben stehen der Monopteros, ein offener Rundtempel, und das Opelbad, ein Freibad im Stil der klassischen Moderne mit Blick über das Rheintal. Wenige Meter weiter leuchten die goldenen Kuppeln der russisch-orthodoxen Kirche, die als Grabkirche für eine früh verstorbene Herzogin errichtet wurde; daneben liegt ein russischer Friedhof.
Im Süden, am Rhein, steht Schloss Biebrich: eine barocke Dreiflügelanlage mit rot-weißer Fassade, direkt am Wasser. Der Schlosspark dahinter ist im englischen Landschaftsstil angelegt und öffentlich zugänglich. Vom Ufer aus führt die Promenade rheinaufwärts Richtung Schierstein.
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